Breyell jetzt Nettetal wird 50

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Nettetal wird 50: das Rathaus in sw

Ein paar ernsthafte Worte aus aktuellem Anlass

Nettetal wird 50. Grund genug, es mal so richtig krachen zu lassen. Das war auch so geplant, schaut man auf den prall gefüllten Veranstaltungskalender der Stadt Nettetal. Auch gibt es eine eigens für diesen Anlsass eingerichtete Homepage (Link am Ende des Beitrages). Über das gesamte Jubiläumsjahr waren viele Events geplant. Einige sind ausgefallen oder auf unbestimmte Zeit verschoben.

Niemand weiß, wann, ob und wie es weiter geht mit einem Leben in der Normalität ohne dieses Covid-19-Gespenst.  So weicht eine ausgelassene Feierlaune der verordneten Isolation und damit der einzigen Möglichkeit, diese Pandemie ansatzweise in den Griff zu bekommen. Was bleibt uns im Moment also mehr als hoffen und/oder beten, sich abschotten und die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen, 50 Jahre Nettetal zu feiern: tatsächlich gibt es viele online-events, schaut euch nur mal in lokalen Gruppen der social-media-Plattformen um.

Prolog: die harten Fakten

Nettetal wird 50. Die drei Gemeinden Breyell, Hinsbeck und Leuth sowie die schon damals mit entsprechenden Rechten ausgestatteten Städte Kaldenkirchen und Lobberich wurden also zum 1. Januar 1970 zur Stadt Nettetal vereinigt. Aufmerksame Leser werden jetzt Schaag vermissen, welches aber zum Zeitpunkt der Gründung Nettetals noch zu Breyell gehörte und erst im Jahre 1995 zum politisch selbstständigen, gleichberechtigten Stadtteil Nettetals wurde. Dies zur amtlichen Gründungsgeschichte meiner Heimatstadt.

Dieser Beitrag betrachtet aber weniger die offizielle Stadthistorie, sondern widmet sich der Geschichte des kleinen Manfred, der bei Stadtgründung gerade einmal 5 Jahre und 118 Tage alt war. Und dem, was das Gesetz zur Neugliederung des Kreises Kempen-Krefeld und der kreisfreien Stadt Viersen ( GNgldrKrKKkrsfrSV) mit seinem Leben angestellt hat.

Text: die Schattenseiten der kommunalen Neugliederung

Tatsächlich ist der kleine Manfred älter als seine Heimatstadt Nettetal. Die Altersdifferenz ist mit 1944 Tagen allerdings nicht groß genug, als dass er aus eigener Erinnerung sagen kann, ob das am 18.12.1969 erlassene GNgldrKrKKkrsfrSV mehr Vor- oder Nachteile für ihn gebracht hätte.

Der wirklich echte Breyeller, also jemand, der tatsächlich auf der Entbindungsstation des Breyeller Krankenhaus das neonröhrengeschwängerte Licht der Welt erblicken durfte, sieht dies als Privilleg. So könnte es zumindest der nicht direkt betroffene Außenstehende vermuten: Ein derart Auserwählter wird sich mit majestätischem Stolz und ebensolcher Anmut durch sein gesamtes weiteres Leben bewegen. Eben weil dieser Geburtsort mit den Jahren immer mehr an royaler Exklusivität gewinnt.

Denn was steht heute schon in den Geburtsurkunden der zwar in Nettetal wohnenden, allerdings, von den wenigen Hausgeburten einmal abgesehen, nicht dort geborenen, gewöhnlichen Bürgern? Es finden sich Einträge wie Kempen, Viersen, Mönchengladbach oder gar Krefeld! Da sind doch die Identitätskrisen vorgeplant.

Dies ist aber nicht der Gipfel allen Übels und das bringt mich zum kleinen Manfred zurück. Denn er hat tatsächlich ein Identitätsproblem, steht doch in sämtlichen amtlichen Dokumenten, die ab dem 1. Januar 1970 erstellt wurden als Ort seiner Geburt:

BREYELL, JETZT NETTETAL WIRD 50 !!!

Ja was ist das denn – Breyell, jetzt Nettetal wird 50? Wer mitgerechnet hat, weiß, dass der kleine Manfred mittlerweile 55 Jahre alt ist und ahnt, dass er an Größe schon wieder abnimmt, an Breite dafür zu. Viel wichtiger aber die Frage: Wie oft musste dieser vom GNgldrKrKKkrsfrSV derart gebeutelte Mensch in amtlichen Dokumenten, Anträgen, GEZ-Anmeldungen, Ummeldungen, auf Lottoscheinen und Glückskekszetteln schon den Ort seiner Geburt angeben und wie muss er sich dabei gefühlt haben?

Breyell, jetzt Nettetal!

Was kann ein Mensch mit dieser Bezeichnung des Ortes der Niederkunft seiner Mutter vom Leben erwarten? Entwickelt dieser Mensch Pläne für seine eigene Zukunft? Mag er sich gar um eine Stelle bewerben, wohl wissend, dass sich dieser Makel den Personalreferenten dieser Welt schon ganz weit oben in seinem curriculum vitae offenbart? Natürlich ja, denn wie so viele vom Schicksal des Lebens gebeutelten, entwickeln auch die in Breyell, jetzt Nettetal Geborenen eine Überlebensstrategie. Selbstverständlich führt diese  Strategie im Land der Dichter, Denker und Selbsthilfegruppen einzig und alleine über die Gründung einer solchen.

So ist es denn nun raus, dass dieser Beitrag keine Lobhudelei auf 50 Jahre Nettetal – früher Breyell, Hinsbeck, Kaldenkirchen, Leuth, Lobberich – ist, sondern die Suche eines verzweifelten Breyellers, jetzt Nettetalers nach Leidensgenossinnen und Genossen, die für sich auch nur in der Verbrüderung der Geläuterten die einzige Möglichkeit sehen, ein annähernd erträgliches Leben führen zu können.

Also bitte, liebe Breyeller, jetzt Nettetaler sowie alle Hinsbecker, Kaldenkirchener, Leuther, Lobbericher und natürlich auch Schaager Hausgeburten vor dem 1. Januar 1970: Bitte schreibt mir eure Leidensgeschichte in die Kommentare und lasst uns über die Gründung einer Desperate-Community nachdenken!

Epilog: finale Wahrheit oder dickes Ende

Sicher war mein Text im Stile einer Glosse übertrieben, wenngleich ich wirklich schon das ein oder andere Mal über ‚Breyell, jetzt Nettetal‘ gestolpert bin. In eine Sinn- oder Lebenskrise hat mich dies aber nicht getrieben. Da gab es andere Dinge 😉
Aber darüber berichte ich vielleicht in einem anderen Beitrag.

Bisher habe ich nahezu ausschließlich in Nettetal gewohnt. Als späte Jugendsünde betrachte ich heute die paar Monate Düsseldorf, zu denen ich zudem auch noch genötigt wurde.

Ganz sicher ist nicht alles perfekt hier. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, braucht neben der Liebe zum Landleben auch Geduld und Flexibilität. Jeden Tag.

Mein ganzes Arbeitsleben lang bin ich Pendler gewesen. Düsseldorf und Köln. Zeitweise mit der Bahn und zuletzt mit dem Auto. Das war nicht immer (eigentlich nie) spaßig und doch kam es mir nie in den Sinn, in die großen Städte oder auch nur in deren Nähe zu ziehen.

Diese Heimatverbundenheit als Konstante in meinem Leben war mir immer wichtig. In jungen Jahren eher diffus vorhanden, rückte sie mir mit den Jahren immer klarer und stärker ins Bewusstsein.

Man weiß ja nie, was noch kommt. Doch könnte ich mir vorstellen, dass ich hier bleibe und sich – Vorsicht: Pathos – mein Lebenskreis im Breyeller Curanum schließt.

In Breyell, jetzt Nettetal.

Auch wenn es traurigerweise zu vielen Ausfällen geplanter Jubiläumsevents kommt, liefere ich euch hier den offiziellen Jubiläumskalender der Stadt Nettetal.

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Über mich

Hast Du erst einmal die ’50‘ überschritten, kommst Du auch mit einer kurzen Vorstellung auf derart begrenztem Raum nicht aus. Es ist also nur dem Platzangebot hier und nicht etwa einem übersteigerten Geltungsbedürfnis des Verfassers geschuldet, dass es dafür eine separate Seite gibt ;-)

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