Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär‘ mein Hund

Der Titel des gleichnamigen Reinhard Mey Songs geht mir gerade nicht mehr aus dem Kopf, denn:

Mein Hund Pablo

Am 27.11.20 zog Pablo bei uns ein ...

Hund auf Pflasterstein
Lebe ich ab heute bei Dir?

Die Entscheidung: der Hund zieht ein

Ein Corona- Hund, na klar! Tatsächlich reihte sich des Deutschen liebstes Haustier scheinbar nahtlos in die Reihe mit Klopapier, Küchenrolle und E-Bike ein. Zumindest fühlt es sich so an, kennt man die Gesetze der Marktwirtschaft und schaut dann auf die Preise für die Tiere.

In unserer Familie gibt es seit Jahren eine Pro- und Contra-Diskussion über die Aufnahme eines Hundes als weiteres Familienmitglied. Zuletzt hat dann alles gepasst, die gesamte Familie war einverstanden und die Suche nach dem tierischen Familienmitglied begann.

Erstmal haben wir uns über Charakteristika der verschiedenen Rassen schlau gemacht. Zu klein darf er auf keinen Fall sein. Schon irgendwie Hund statt behaarter Maus. Zu groß geht aber auch nicht, weil selbst uns Hundeanfängern klar war, dass es für fast alle Lebewesen, vom Chiuahua und vielleicht noch einigen anderen mal abgesehen, eine Phase des exponentiellen Wachstums geben wird und wir als durchaus umweltbewusste Menschen handelsübliche Supermarkt-Plastiktüten als Hundekot-Transportbehältnis vermeiden wollten.

Weiterhin sollte unser Hund zumindest so tun können, als würde er an unseren Lieblings-Freizeitaktivitäten genauso viel Spaß haben wie wir. Das setzt eine gewisse Ausdauer bei Wandertouren genauso voraus wie eine Zuneigung zum Fahrradanhänger für Hunde, da unser Radtouren-Radius selbst den Marathonläufer unter den Hunden überfordern würde.

Dass unser Hund der intelligenteste und gelehrigste unter der Sonne sein würde, war eh klar und bedurfte keiner Vorplanung. Allergiker gibt es in unserem Haushalt glücklicherweise nicht, dennoch würden wir begrüßen, wenn unser neuer Mitbewohner sein Deck- und Unterhaar bestenfalls ein bis zweimal jährlich beim Hundefrisör lässt, statt sich seiner Behaarung kontinuierlich in unserer Wohnhütte zu entledigen.

Unsere bescheidenen Ansprüche hinsichtlich der Charaktereigenschaften unserer „Fellnase“ (ich vermeide diesen Begriff, wann immer es geht, verwende ihn hier nur einmal für ein besseres google-Ranking; meines Erachtens ist er schlichtweg falsch, weil gerade die Nase eines Hundes so ziemlich das einzige Körperteil ist, das nicht von Fell bedeckt ist) führte uns dann zu Rassen wie dem Kromfohrländer, dem spanischem Wasserhund und dem Kooikerhondje.

Bei den Züchtern dieser Rassen gibt es Bewerberlisten, die auf die nächsten zwei bis drei Hundegenerationen zu warten bereit sind und sich dann, wenn es in ein bis zwei Jahren soweit ist, unter Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und den letzten drei Gehaltsabrechnungen, Schilderung der Wohnsituation und des sozialen Umfeldes um die Aufnahme in die Bewerberliste bewerben dürfen.

Dies ist natürlich leicht (!) überspitzt geschildert, und obwohl wir durchaus Verständnis für eine seriöse Tiervermittlung und gründliches Hinsehen der Züchter haben, wollten wir doch recht zeitnah unseren Hund, so dass eine gewisse Kompromissbereitschaft erforderlich war. Doch wie geht man die Suche an, wo fängt man an? Wie in vielen anderen Bereichen auch, haben wir den ersten Schritt online gemacht und sind schnell auf Vermittlungsplattformen für Haustiere gestoßen. Erschlagen vom Angebot, führten auch hier einige Wege in Sackgassen, führten uns über Umwege dann aber doch noch zu „unserer“ Züchterin.

Der junge Hund: die Unschuld vom Lande

Unser Hund mit Ball
Spielpause

Bei Sarah stimmte von Anfang an das Gesamtpaket. Sie schaute genau hin und entschied sich auch gegen Bewerber, wenn es nicht passte. Sie geht wundervoll mit ihren Hunden um und hat auf jede Frage eine Antwort. Sie liefert Fotos und Videos von Pablo und seinen vier Geschwistern und sie wohnt ganz in der Nähe unseres Wohnortes. Nicht nur in pandemischen Zeiten ein dicker Pluspunkt. Sarah hatte dann auch bei uns ein gutes Bauchgefühl, so dass sie Pablo vertrauensvoll, und doch irgendwie schweren Herzens, in unsere Hände gab.

Das Erdgeschoss komplett welpensicher gemacht und das Treppenhaus als potentiell gefährlichen Ort mit Babygittern vor zu neugierigem Hundebaby geschützt, konnte er also kommen.

Schon vor dem Einzug unseres Welpen haben wir einen kleinen Eindruck von dem bekommen, was es aus finanzieller Sicht bedeutet, einen Hund bei sich aufzunehmen. Von Kleinigkeiten wie dem Steckdosenschutz über Absperrgitter, Näpfe, Decke, Futter, Spielzeug sowie Schlaf- und Transportgelegenheiten, um nur einiges zu nennen. Anschaffungspreis, Hundesteuer sowie Geräte zur Fell- und Krallenpflege kommen schnell dazu. Hundehalter wissen, was da noch so alles geht.

Es ist ähnlich wie bei der Babyausrüstung. Lang, sehr lang ist’s her. Sicher steckt man ein Budget für sich ab. Und doch soll es ja für den Kleinen schon etwas Besonderes sein. Er soll sich ja wohlfühlen, merken, dass er willkommen ist, ja geliebt wird.

Schnell ist dann klar, dass einem Welpen ganz egal ist, welche Decke er in ihre einzelnen Fasern zerlegt, welches Körbchen er bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, welches Spielzeug er zu Tode foltert. Nicht falsch verstehen: Weichmacher und andere Giftstoffe sind tabu. Ansonsten wird der gemeine Hundeanfänger allerdings schnell desillusioniert, was die Halbwertszeit von Alltagsgegenständen für Welpen angeht. Schwamm drüber. Und schon jetzt ist klar: beim nächsten Hund wird alles anders …

Man kann nie früh genug damit anfangen und schließlich gilt  auch für Welpen „Was Pablo’chen nicht lernt, lernt Pablo nimmermehr“. Was mich unweigerlich zum Thema Hundeerziehung bringt.

Gehört man zur Zielgruppe, ertrinkt man förmlich im TV-Angebot von Welpenschulen und Hundetrainern, schaut und saugt alles auf, was an Sinnvollem (und/oder Sinnfreiem) zu sehen ist. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man alles weiß und sich selbst in der Lage sieht, allen anderen (unwissenden) Hundebesitzern Tipps für den Umgang mit dem geliebten Haustier zu geben. Das geht sogar noch schneller, als die selbst zuerkannte Befähigung, am offenen Herzen zu operieren, bekam man das doch seinerzeit erst während der dritten Staffel von „Grace Anantomy“ hin. Alles easy, also. Soviel zur Theorie.

Die Praxis freilich, sieht dann wieder ganz anders aus. „Schatz, so kannst Du doch nicht mit dem Hund reden, das wirft ihn intellektuell um Jahre zurück!“ Diese oder ähnliche Sätze bringen eine nie dagewesene Würze in’s Eheleben, stellt sich doch gleich im Anschluss die Frage, wo ein etwa 15 Wochen alter Welpe intellektuell landet, wenn ihn ein Ereignis um Jahre zurück wirft.
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass wir die Babyphasen unserer Kinder noch mit jeweils anderen Partnern durchlebt haben.
Irreparabler Schaden an der Psyche des Welpen entsteht natürlich auch, hat er in Woche 4 noch nicht das Lernpensum des im Welpen-Lehrbuch für die zweite Woche vorgesehenen Stoffes drauf. Und was noch schlimmer ist: wie stehen wir als Welpeneltern in der von der Züchterin in’s Leben gerufenen WhatsApp-Gruppe da? Ausschließlich Wunderhunde im Wurf, nur der eigene nicht? Liebe Neu-Hundeeltern: unbedingt cool bleiben! Kein Hund ist wie der andere und es dauert halt so lange es dauert. Nur nicht unter Druck setzen lassen, andere kochen auch nur mit Wasser, Einstein ist sitzengeblieben und Rom nicht an einem Tag erbaut …

Hundeporträt Pablo

Hier endet Teil 1 der Pablo-Story. Schon bald geht es weiter mit neuen Geschichten vom kleinen Wasserhund-Doodle-Mix. Der kleine, manchmal selbstbewusst freche, manchmal verängstigt unsichere Kerl entdeckt gerade die Welt.

Und wer mag, kann ihn an dieser Stelle begleiten und miterleben, wie er sich entwickelt.

Vielleicht interessierst Du Dich ja auch für andere Beiträge im Blog von reportageland.de …

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1 Kommentar zu „Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär‘ mein Hund“

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