Nettetalerinnen bauen für gesundes Klima

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LowTechHaus Obergeschoss mit Aussicht

Ein Traum aus Holz und Glas.

Jahrtausende alte Bauweisen erleben ihre Wiedergeburt. Dennoch erscheinen die Bauwerke modern und ökologisch aktuell. So auch beim Projekt Blutbuche in Nettetal.

Die Nettetalerinnen Brigitte Hilgenfeld und Anthoula Kapnidou bauen an einem nicht alltäglichen Objekt. Das Architektenhaus sollte hell und offen sein, über Gemeinschaftsflächen, aber auch über Rückzugsräume verfügen. Raumluft und Wasser sollten weder mit Öl noch mit Gas erwärmt werden. „Von den ersten Denkmodellen bis zum Baubeginn vergingen fast drei Jahre“, sagt Brigitte Hilgenfeld.

Der Einzug ist für den Sommer diesen Jahres geplant. „Dies soll aber nur ein grober Anhaltspunkt sein“ erklärt die Heilpraktikerin. „Es würde dem Charakter dieses Hauses widersprechen, würde es unter Zeitdruck errichtet und am Ende deshalb nicht über uns wichtige Charakteristika verfügen.“

Die Heilpraktikerin und die Innenarchitektin haben sich für ein Haus aus Holz und Glas entschieden. Das Holz wird in Form vorgefertigter Sechseck-Elemente verbaut, die nur mit Holzdübeln verbunden werden.

Ein Hypokaustum soll das Raumklima im Winter heizen und im Sommer kühlen.  Diese Technik geht auf die Zeit um 2000 v. Chr. zurück und wird im Verlaufe dieses Berichtes auch ausführlicher erläutert.

LowTechHaus Titel Glasschotter
Schaumglasschotter als ökologischer und tragfähiger Untergrund

Wie alles begann

Die Idee, die hinter dem Projekt der beiden Nettetalerinnen steckt, ist ein frei geplantes Haus, das überwiegend mit Materialien gebaut wird, die beim Rückbau der Immobilie irgendwann in frerner Zukunft, wieder in die ursprünglichen technischen und biologischen Kreisläufe zurückgeführt werden können.

Dieses Denken in Kreisläufen liegt dem Cradle to Cradle– Gedanken zugrunde. Weiterhin sollte der Neubau ohne fossile Brennstoffe zur Erwärmung der Raumtemperatur und für die Warmwasseraufbereitung auskommen und insgesamt auch nicht teurer sein als ein vergleichbares, nach konventioneller Bauweise errichtetes Objekt.

„Dies sind durchaus realistische Ansprüche“, bestätigt auch der Architekt des Projektes „Blutbuche“, Herr Werner Grosse.

Baustelle Schaumglasschotter Detail

Das Projekt „Blutbuche“ wird ohne Keller gebaut. Auf den verdichteten Boden wird eine Schicht aus Schaumglasschotter aufgetragen. Dieses aus Altglas hergestellte Baumaterial ist leicht, hoch wärmedämmend, resistent gegen Feuchtigkeit, formstabil, äußerst belastbar und alterungsbeständig. Von der Haptik erinnert es an Bimsgestein.

Auf den verdichteten Schaumglasschotter werden noch Noppenbahnen verlegt, der Rest dieses Bauabschnittes ist standard: Gittermatten. Verschalung. Betondecke.

Die Grundmauern

Werner Grosse, ein Schwabe in Nettetal, wurde vorhin schon als Architekt des Projektes „Blutbuche“ genannt. Daneben ist Herr Grosse ebenso der Erfinder dieser ausgeklügelten Holzbautechnik:

Das Glas sorgt für Weitblick

Ein Schwerpunkt bei der Konzeption des Hauses war die Verwendung möglichst vieler ökologisch einwandfreier Baustoffe. Daneben sollte ein gesundes Raumklima entstehen und auch ein allgemein als angenehm empfundenes Gefühl von Weite mit Blick auf die Natur von Nettetal entstehen. Dies lässt sich mit einer offenen Bauweise in Kombination mit großen Glasflächen realisieren.

„Atme bitte ganz tief ein und aus.“ Die Bauverantwortlichen Brigitte Hilgenfeld und Anthoula Kapnidou sagen übereinstimmend, dass schon der Rohbau über ein ganz besonderes Raumklima verfügt. „Und alle Besucher stimmen uns zu“, sagen sie mit offener Freude darüber, beim Konzept alles richtig gemacht zu haben.

Und tatsächlich riecht es nicht so, wie es in einem Neubau konventioneller Art riecht.

Schon in dieser Phase ist auch für Außenstehende klar erkennbar, was die beiden Damen meinen. Dazu der unverbaute Blick über ein Stück Heimat, ein Stück Nettetal.

Kein Gas, kein Öl - wie wird denn hier geheizt?

Ein weiteres Highlight des Neubauprojektes ist seine Heizanlage. Klimaanlage wäre in diesem Fall der bessere Ausdruck, auf die Gefahr hin, dass am Bau Interessierte erst einmal in eine gänzlich falsche Richtung denken.

Es geht um den Hypokaustum. Eine ebenso einfache wie geniale Art, umbauten Raum für seine Bewohner angenehm zu temperieren. Selbst für Terrassen lässt sich auf diese Art die Nutzungsdauer über das Jahr verlängern.

Und wie funktioniert der Hypokaustum nun genau?

Unter dem Fußboden gibt es einen Hohlraum. Dort werden unzählige, gleich hohe Säulen aus feuerfestem Material (z. B. Ton) gebaut, die zum Einen ein Tunnelsystem entstehen lassen und zum Anderen das Trägermaterial für den Fußboden darstellen.

An einer beliebigen Stelle außerhalb des Hauses werden an zwei gegenüberliegenden Stellen Luftkanäle gebaut und miteinander verbunden. Frischluft gelangt so in die Innenräume wird dort, wird dort entweder direkt durch den Hypokausten geführt oder auch vorbei an einem zusätzlich vorhandenen Ofen, welcher in der sehr kalten Jahreszeit ein ergänzendes Heizsystem darstellt.

Im Sommer wird die aus einem Schattenbereich in die Kanäle gelangende, kühlere Luft durch das Hypokaustenlabyrinth geführt; warme, verbrauchte Luft gelangt über Dachöffnungen ins Freie. Ein zusätzlicher Regulator und wichtiger Teil des Systems sind ausgesuchte Pflanzen in ausreichender Anzahl und Größe an speziellen Standorten im Haus.

Architekt Werner Grosse hat Erfahrung mit dieser Raumklimaregulierung aus der Antike und ist begeistert. „Dieses Modell sorgt das ganze Jahr über für gesundes, angenehmes Raumklima.

Gibt es überhaupt einen Nachteil, dann ist es die Trägheit des Systems“, so Grosse. „Doch hat man erst einmal ein Gefühl für Möglichkeiten und Grenzen des Systems entwickelt, dann überwiegt auf jeden Fall das gute Gefühl, einen aktiven Beitrag für ein gesundes Klima zu leisten.“

Der Hypokaustum des Projektes Blutbuche ist noch nicht gebaut. Fotos dazu werden nachgeschoben. Bei Interesse an weitergehenden Informationen oder ggf. auch einer Baubesichtigung vor Ort in Nettetal, stelle ich gerne den Kontakt her. Schickt mir einfach eine Nachricht an die Reportageland e-mail-Adresse.

Vielen Dank dafür, dass ihr mir bis hierher gefolgt seid. Gibt es Kritikpunkte? Teilt sie mir mit und hat euch der Beitrag gefallen, teilt ihn in euren sozialen Netzwerken oder schreibt mir ein paar Worte in die Kommentare.

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Kleine Vorschau auf den nächsten Beitrag: Nettetal wird 50! Ein ganz besonderes Jahr für die Seenstadt Nettetal und doch hatten sich viele dies ganz anders vorgestellt. Geplantes Erscheinungsdatum ist der 2. April, also der kommende Donnerstag.

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Hast Du erst einmal die ’50‘ überschritten, kommst Du auch mit einer kurzen Vorstellung auf derart begrenztem Raum nicht aus. Es ist also nur dem Platzangebot hier und nicht etwa einem übersteigerten Geltungsbedürfnis des Verfassers geschuldet, dass es dafür eine separate Seite gibt ;-)

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