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Manfred Falk | Vita

Etwas Formelles vorab: Formell deshalb, weil ich gleich hier los werden möchte, dass mir ein respektvoller Umgang miteinander sehr wichtig ist. Locker darf es aber im Reportageland dennoch sein. So habe ich mich für ein respektvolles 'Du' in allen Anreden entschieden.
Manfred Falk von Reportageland DE
Manfred Falk
freier Fotograf & Journalist

Der Kollege hier im Bild wüsste eine ganze Menge über mich zu erzählen, kennt er sich doch in meiner Vita bestens aus. Wenn er denn sprechen könnte. Dieser Teddy begleitet mich seit meinem ersten Geburtstag im September 1965. Damals wusste ich, na klar, nichts mit dem kleinen Kerl anzufangen, war ich doch selbst nicht viel größer und ganz ehrlich: dies sollte für viele Jahre auch so bleiben. Meine Großeltern aber legten eine Menge Symbolik in das erste Geburtstagsgeschenk für ihren ersten Enkel. Speziell meine Oma schenkte nicht einfach so, sie dachte sich auch immer etwas dabei. Nicht immer war den Beschenkten dies auch klar. Aber das ist eine andere Geschichte.

Praktischerweise hieß Teddy immer Teddy, keinen blassen Schimmer, wer ihm einen derart originellen Namen gab. Teddy sollte ein Freund, Seelentröster, Kumpel und was weiß ich nicht noch alles für mich sein. Mit Knopf im Ohr als Garant für eine dauerhafte Freundschaft und als Option für ein Renditeobjekt. Im Alter von 4 Jahren sah ich es allerdings als gelungenes Zeichen meines beginnenden Kampfes gegen das Establishment, des guten Teddys Knopf im Ohr operativ zu entfernen. Ob er seinen, für mich völlig unverständlichen Missmut über die doch erfolgreich verlaufene Operation dadurch bekundete, dass er mir ab diesem Zeitpunkt seinen aus einem langgezogenen „Bööööö“ bestehenden Gesamtwortschatz verweigerte, ist nicht überliefert.

Manfred Falk Vita Teddy 1965
Kindergarten-Zeichnung Sankt Martin
??? (1969)
Vita Manfred Falk im Kindergarten
Was willst Du mal werden?

Irgendwann zwischen Kindergartenzeit und Konfirmation sind Stoffbären dann mega-peinlich geworden und mein Teddy trat seine lange Reise in die Welt außerhalb des sichtbaren Teils meiner jeweiligen Wohnstätte an. Nur zu Umzügen war er kurz sichtbar, verschwand aber gleich wieder in einer neuen Dunkelkammer.

Apropos Dunkelkammer: Erstmalig verfügte ich in dieser Zeit über mehr als mein Taschengeld in Höhe von 5 Mark wöchentlich. Zur Beruhigung all derer, denen das heute einer elterlichen Unterstützung unterhalb des Mindestlohn-Niveaus erscheint: Mit vollendetem 16. Lebensjahr stieg mein Taschengeld nahezu exponentiell auf 20 Mark im Monat an.

Doch zurück zur Konfirmation. Es häufte sich tatsächlich ein derart hoher Betrag an, dass ich mir meinen Traum von der ersten eigenen Spiegelreflexkamera inklusive 50mm- Objektiv mit größter Blende von 1.2 leisten konnte. Junge, war der Junge da glücklich! Das wundervollste Hobby überhaupt und ich hatten uns gefunden. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, wo ich zum Einen feststellte, dass mit analoger Fotografie immer auch Folgekosten verbunden sind und zum Anderen, dass ich bei der exponentiellen Taschengelderhöhung mit 16 doch irgendetwas falsch berechnet hatte. Mathematik gehörte nie wirklich zu meinen Stärken. Dies aber nur am Rande.

Also trennten wir uns wieder, die Fotografie und ich. Nach meinem Empfinden viel zu früh. Vorbei die erste kreative Phase meines Lebens, ein Knick in der Vita. Schade, es war schön mit Dir!

Gepusht von der Trennung meiner Eltern, einer damit einhergehenden totalen Leistungsverweigerung und in der Folge Schulhopping-Downward, beschloss ich, mich von meinen beruflichen Traumzielen zu trennen. Nur so viel: Es war weder eine innere Überzeugung, noch die Entdeckung ungeahnter Talente, die mich dann in die Verwaltung des öffentlichen Dienstes trieb. Dieser Weg wurde im Laufe der nächsten 30 Jahre immer beschwerlicher, stets begleitet von dem Gefühl, etwas ganz Wesentliches zu vermissen. Heute ist mir klar, dass es über weite Strecken meines Arbeitslebens die Freude an der Arbeit war, die sich nur ein einziges Mal für kurze zwei Jahre einstellte.

Im Jahre 2014 dann traf ich einen alten Freund wieder: die Fotografie. Während eines Familienshootings beim Grefrather Fotografen Peter Roskothen sahen wir uns wieder, umarmten uns innig und beschlossen, von da ab gemeinsame Wege zu gehen. Erst noch, wie damals, mittlerweile aber digital, waren wir hobbymäßig unterwegs. 2017 dann waren wir uns sicher, dass es wirklich eine dauerhafte Beziehung ist und wir schlossen mit der Anmeldung eines Gewerbes einen dauerhaften kreativen Bund.

Neue Ziele erschienen am Horizont. Aber ließen diese sich auch für das betagtere Semester noch realisieren? „Alles zu seiner Zeit“ sagten meine zweite Ehefrau und ich resümierend, als es um einen gemeinsamen Kinderwunsch ging. Wir haben drei gesunde Kinder, die noch dazu auf dem besten Wege waren und noch sind, tolle Erwachsene zu werden. Die ihren Platz im Leben beanspruchen und zu Recht auch finden werden.

Gilt denn ein „alles zu seiner Zeit“ auch für den Beruf? Gibt es ab km 50 keine Möglichkeit mehr, abzubiegen und ohne Seil und doppelten Boden eine völlig andere Richtung einzuschlagen?

Ganz ehrlich: ich weiß es bis heute nicht sicher. Und eines kann ich euch verraten: Nicht nur Angst, wie in einem Fassbinder-Film mit Brigitte Mira und El Hedi ben Salem, sondern auch Zweifel und Ungewissheit essen Seele auf.

Keine Ahnung, ob der Teddy die Geschichte genau so erzählt hätte. Liegt doch Vieles wie immer im Auge des Betrachters. Es hat sich einiges verändert in mir (ok, leider auch an mir – warum ist den schon wieder keine Schokolade im Haus?), auch meine Meinung zur Existenz von Stoff-Teddys gut sichtbar im Wohnbereich. So habe ich dem Steiff-Gesellen mit der harten Kindheit sogar ein eigenes Shooting gewidmet. Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich dieses Porträt von dem Stoffbären gemacht habe. Da war er 52 Jahre alt und ich muss neidlos anerkennen, dass er sich besser gehalten hat als ich. Hat es wohl an den Jahren in der Dunkelkammer gelegen?

Und noch etwas muss an dieser Stelle erwähnt werden. Oma war nicht nur Angestellte im Finanzamt, sondern auch Prophetin, war sie sich doch der künftigen Bedeutung des Steiff-Bären bewusst. Davon bin ich heute überzeugt.

Danke, dass ihr „The short story of my life“, die Vita-Seite bis hierher gelesen habt. Das Kapitel Journalismus habe ich bewusst ausgelassen. Weil es erstens noch nicht zu Ende ist und zweitens autobiographische Texte doch ein Stück weit anstrengend sind.

Also Schluss für heute.

Lieben Gruß und bleibt gesund!
Manfred

Vita Manfred Falk als Baby
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Selbstporträt 1970
Manfred Falk von Reportageland DE
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